“Ach, diese Griechen!” radioeins-Medienmagazin vom 18.02.2012
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Mein Studiogespräch im Medienmagazin mit folgenden mit O-Tönen:
* Klaus und Willi, Karneval im ZDF, 08.02.2012
* Loukas Papadimos, griechischer Premierminister, 12.02.2012
* rbb Inforadio, 09.02./10.02.2012
* Alexis Macheras, Betreiber der Webseite http://kaereti.gr/
(verlinkte Audio-Quelle: radioeins)
27.02.2012 Der Bundestag stimmt für ein weiteres Hifspaket für Griechenland in Höhe von 130 Milliarden – Minutenprotokoll der Debatte im Bundestag bei SPON .
20. März 2012 Die Auzahlung der nächsten Kredittranche.
24.02.2011
- Am ersten Abend meiner Ankunft in Athen wollte meine Vermieterin Natasa mich erstmal in die Gegend und das Nachtleben von Paleo Faliro einweihen. Sie wollte eine Ausnahme machen, denn seitdem sie die Krise eingeholt hat und Steuererhöhung bei gleichzeitiger Lohnkürzung ihr immer mehr zu schaffen machen, geht sie abends kaum noch mit ihren Freundinnen weg. Heute wollten wir nun ein Gläschen trinken und uns kennenlernen. Doch wir stießen überall auf leere Restaurants, Cafés und Bars, sogar am Yachthafen Marina Flisvos, der sich abends in ein Ausgehviertel verwandelt, war gähnende Leere. “So war es früher nie in Paleo Faliro”, erzählte mir Natasa bestürzt. Die Anlegestellen des Yachthafens, der der Familie Latsis gehört, waren dagegen voll. Yachtparties gab es aber leider nicht, dafür war es wahrscheinlich zu kalt oder man hat uns nicht eingeladen.
- Morgen gibt es wieder Generalstreik und Demos in Griechenland…. Vielleicht sollte ich mir für meinen Aufenthalt in Athen endlich mal die Streik-App auf mein Handy laden?
29. Februar 2012
- Schaue gerade Nachtichten auf Skai..
Doof, jetzt schließen auch noch zwei Coca-Cola-Fabriken in Griechenland, eine in Thessaloniki und eine in Patras.
1. März 2012
- Guten Morgen, heute streiken wieder alle öffentlichen Verkehrsmittel in Athen… dabei wollte ich doch einen Kaffee in Monastiraki trinken gehen. Gerade auf Skai: Bürger der Stadt Florina können sich das Heizen ihrer Wohnungen nicht mehr leisten. In der Stadt im Norden sinken die Temperaturen oft unter Null.
Loukanikos “our Dog”
- Athen hat viele streunende Hunde, doch einer hebt sich besonders hervor: Loukanikos (gr: Wurst). Bei Ausschreitungen ist er immer dabei und immer auf der Seite der Demonstranten. Auf YouTube hat er eine richtige Fan-Gemeinde. Und auch so kennen ihn viele, man braucht nur den Namen Loukanikos sagen und die Leute hier lächeln und sagen: “Ach, der Loukanikos ist der Beste!”
Hier eines von vielen Hommage-Videos:
Loukanikos (gr: Wurst) hat es sogar im Ausland zu Ruhm gebracht. Berichtet haben über ihn: die BBC und ein albanischer Sender. (DIe Links führen jeweils auf die Berichte, die auf YouTube hochgeladen wurden).
- Gerade wurde in den Hauptnachrichten auf Skai verkündet, dass das Arbeitslosengeld in Griechenland von 461,50 auf 360,- Euro gesenkt wurde. Die neue Regelung gilt ab dem 12. März. 290.000 Menschen, die derzeit darauf Anspruch haben, haben gerade bestimmt tief geschluchzt. Das Geld gibt es 12 Monate lang. Es wurde auch schon diskutiert, ob man es auf sechs Monate verkürzen soll. Was viele in Deutschland nicht wissen, ist dass es danach gar nichts mehr gibt. Hartz4 kennt hier keiner. Danach gibt es eigentlich nur noch Ausland oder Armenküche.
Link zum Arbeitsamt, das auch gleichzeitig Jobcenter ist: ΟΑΕΔ.
Fast zeitgleich erreichte mich die Nachricht, dass ab dem 23.02.2012 dass Deutschland nicht mehr für die Grundsicherung der Arbeitssuchenden der EFA-Staaten, darunter auch Griechenland aufkommen will. Das heißt, jetzt, jetzt gibt es für diese Menschen gar kein soziales Netz mehr.
2. März 2012
Gerade hat mir meine Vermieterin Natasa, die öffentlichen Dienst tätig ist erzählt, dass der Staat bis Mitte letzten Jahres überahupt gar nicht wusste, wieviele Beamte er überhaupt beschäftigt. Im Sommer 2011 erhielt sie erstmals eine Aufforderung, sich im Interent mit einem Code anzumelden, den sie vorher zugesandt bekommen hat. Nur wer sich angemeldet hat, sollte fortan sein Geld bekommen. Auf dieser Basis wurde erstmals klar, wie hoch die Zahl der griechischen Beamten überhaupt ist.
3. März 2012
Athen 18 C :-) Heute habe ich mir eine griechische Sim-Karte für mein Handy besorgt. Da ich meinen Ausweis nicht dabei hatte, konnte sie aber nicht freigeschaltet werden. Seitdem es vor drei Jahren mehrere Bombendrohungen in Ahten gab, dürfen Handynummern nicht mehr anonym verwendet werden. Sprachlos bin ich allerdings heute, weil mir meine Cousine eine Liste im Internet gezeigt hat, wo die absolut absurdesten Lohnzusatzzahlungen für griechische Beamte im öffentlichen Dienst aufgeführt sind. Die Liste gibt es auf griechisch hier. Dazu mache ich auch nochmal einen Extra-Post: “Ac”
4. März 2012
Durchzechte Nacht.. Spiros hatte Geburtstag und wir waren bis sieben Uhr morgens im MG. Vorher bin ich mit Sofi noch durch die Stadt gecruist, um eine Torte zu kaufen. Dabei sind mir häufiger Max Perry, homemade chocolate-Läden aufgefallen. Sofi meinte, dass die Ladenkette trotz Krise in den letzten Jahren expandiert ist. Schoko gegen Frust? …
Heute war eher Katerstimmung. Dafür habe ich einen schönen Spaziergang gemacht: Syntagma, Monastiraki, Plaka. Mein Lieblingsfoto:
- Heute Abend in den Nachrichten: Alle die, die Immobliensteuer nicht bezahlen können, müssen damit rechnen, dass ihnen der Strom abgeschaltet wird, nicht sofort, aber nach spätestens 120 Tagen.
5. März
Finanzminister Venizelos gibt Georgios Papadakis auf Ant1 ein Interview: Renten und Löhne müssen deshalb gekürzt werden, weil auch Länder wie die Slowakei Griechenland Geld leiht, mit viel geringeren Renten und Gehältern. Das wäre nur gerecht…. Mist! Regen!
Scharfe Kritik am eigenen politischen System übte in einem Interview mit der FAZ Griechenlands Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis und nannte ein Beispiel: “Unlängst lag dem Parlament ein Gesetz zur Abstimmung vor, das die Schließung von zehn Behörden vorsah, die eigentlich längst tot sind und die niemand braucht – außer den Leuten, die dort arbeiten. Vierzig Abgeordnete von meiner Partei, der Pasok, haben aber gegen dieses Gesetz gestimmt. Aus eigenen Interessen, weil sie sich politisch nicht der Gesellschaft, sondern 100 oder 200 Beamten verantwortlich fühlen. Das ist ein Makel des politischen Systems.”
Athen sperrt erstmals Schweizer Bankkonten von reichen Griechen (Lavrentis Lavrentiadis) süddeutsche.de
23.01.2012 Steuersünder am Internetpranger: Finanzminister Venizelos macht seine Drohung war und veröffentlicht im Internet eine Liste mit Namen der Steuersünder, die dem Staat zusammen fast 15 Milliarden Euro schulden. Im November hatte er den Betroffenen noch ein Ultimatum gestellt und sie aufgefordert freiwillig zu zahlen. Doch dem sind nur wenige gefolgt. Eine “Liste der Schande” nennt Venzilos diese Liste.
Die Liste git es hier! Sie ist 170 Seiten lang, 4152 Namen, darunter 40 Personen, die dem griechischen Staat Vermögen von jeweils mehr als hundert Millionen Euro verheimlicht haben. Spiegel.de
160 Freiwillige aus deutschen Finanzbehörden sollen Griechenland dabei helfen, Steuergelder einzutreiben. spiegel.de
Ministerpräsident Loukas Papadimos richtet sich vor der Abstimmung des zweiten Memorandums im griechischen Parlament an das Volk und beschreibt für alle diejenigen, die eine ungeordnete pleite Griechenlands und die Rückkehr zur Drachme fordern, was passiert würde.
„Der Staat würde nicht mehr im Stande sein, Gehälter und Renten zu bezahlen. Der Betreib von Krankenhäusern und Schulen könnte nicht mehr gewährleistet werden. Die Einnahmen des Staates reichen würden nicht ausreichen, auch wenn wir damit aufhörten unsere Gläubiger zu bedienen. Die Einfuhr von wichtigen Basisgütern wie Medikamente, Erdöl oder Maschinen würde sehr schwierig werden. Betribe würden massenhaft schließen, denn sie hätten keinen Zugang mehr zum Finanzsystem. Die Arbeitslosigkeit, die jetzt schon inakzeptabel hoch ist. Der Lebensstandard der Griechen würde den Bach runter gehen, das Land würde in einen tiefen Rezessionsstrudel hineingeraten und in ein lang anhaltendes Elend wäre die Folge.“
25. Januar 2012: ARTE schildert in einem Journal-Beitrag, wie immer mehr arbeitlsose Griechen ihr Glück in der Türkei suchen und dorthin auswandern. So hat beispielsweise der Politologe Dimitris Triantafilou eine Dozentenstelle an der Istambuler Elite-Universität Kadir Has angenommen.
Man hat ihm sogar die Leitung eines Forschungszentrums angeboten. Das wäre noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen, so Triantafilou.Begabte Griechen hätten keine Probleme in der Türkei eine Arbeit zu finden oder ein Geschäft zu eröffnen, sagt auch ein Vertreter der türkisch-griechischen Unternehmensvereinigung. Leider fehlen in diesem Beitrag Zahlen. Man würde gerne erfahren, wieviele es sind, inzwischen in die Türkei ausgewandert sind.
Arbeitslosenzahlen:
Allein im November, dem letzten Monat, für den gesicherte Zahlen vorliegen, haben 126 000 Menschen ihre Arbeit verloren. Griechenland hat elf Millionen Einwohner. Die Arbeitslosenrate stieg somit in vier Wochen von 18,2 auf 20,9 Prozent. Süddeuschtsche.de
Ein Artikel, der mir beim Lesen wirklich unter die Haut ging, erschien am 20.02.2012 in der Süddeutschen Zeitung, geschrieben von Alex Rühle und Kai Strittmatter. Die beiden legen an verschiedenen Beispielen dar, wie Griechenland sich im freien Fall befindet.
Zu Wort kommt unter anderen eine Lehrerin, die soeben einen Rundbrief der Stadtverwaltung erhalten, in dem sie aufgefordert wird, eine Liste mit Namen von Kindern zu erstellen, die aus Mangelernährung öfter im Unterricht ohnmächtig werden, damit diese in der Kantine umsonst zu essen bekommen. Die griechische Sektion von Ärzte der Welt habe ihre Leute aus Uganda, Äthiopien und anderen Dritte-Welt-Ländern abgezogen hat, weil sie sie mittlerweile alle zu Hause brauchen, heißt es weiter. Die Autoren berichten von Selbsthilfevereinen wie “Ano Potamo”, die sich vielerorts gründen, weil Ausgehen inzwischen zu teuer ist und Menschen sich stattdessen dort zum Essen und unterhalten treffen.
November 2011. Die griechische Sektion von Ärzte der Welt warnt vor einer humanitären Krise und vermeldet einen dramatischen Anstieg der Patientenzahlen. Ärte der Welt
Hier die Seite der griechischen Sektion von Ärzte der Welt
Als Journalistin, normale Bürgerin oder Griechin komme ich gar nicht mehr hinterher, die Nachrichten aus Griechenland zu verarbeiten. Jeden Tag prasseln neue Entwicklungen oder Schreckensbotschaften aus Athen, Frankfurt, Berlin oder Brüssel auf einen nieder: Ein Ackermann oder ein Soros meldet sich zu Wort, um dafür zu werben, Griechenland auf keinen Fall bankrott gehen zu lassen oder es meldet sich ein CEO, Wissenschaftler oder Politiker, der Griechenland am liebsten sofort aus der Euro-Zone hinauswerfen möchte. Während der griechische Ministerpräsident Papadimos eine Fernsehansprache hält, die sich anhört, wie eine Kapitulationserklärung inmitten eines wütenden Krieges. Um den Durchblick zu behalten, poste ich hier wer, was zu wem gesagt hat. Am Ende soll dann ein Feature für WDR5 dabei herauskommen.
24.02.2102 Einen Tag später sind die Äußerungen Röslers ein großes Thema im griechischen Parlament. Griechenlands sellvertretender Ministerprädient Theodoros Pangalos äußerte, dass Rösler für ihn keine “gute Gesellschaft” darstelle. Als dieser Athen besuchte, lehnte er deshalb ein Treffen ab. Er riet Rösler, auf andere Art, Stimmen zu gewinnen, als “Mythen solcher Art” zu verbreiten. “Demagogie und die Jagd nach Stimmen sind also keine typisch griechischen Macken”, schloss Pangalos. Der Vorstitzende der rechtskonservativen Laos-Partei, Georgios Karatzaferis wetterte darüber hinaus: “Der Vietnamese hat auf perverse Art Herrn Chrysochoidis beleidigt”. Und weiter: “Sie können uns nicht immer als unfähige, faule Taugenitse bezeichnen und mit uns gleichzeitig zusammenarbeiten wollen”, sagte Karatzaferis in Richtung Deutsche Politiker. Das sieht ersteinmal nach einer Verhärtung der Fronten an- von außen. Innenpolitisch sieht die Situation jedoch anders aus. Karatzaferis muss sich genau dieselben Vorfürfe, er sei faul und arbeitsunfähig, von anderen Parteien anhören. Keiner weiß wirklich, wie er und seine Parteimitgleider zu diesem Reichtum gelangt sind. Sein geschätztes Vermögen bläuft sich auf 450 Millionen Euro. mega.gr
23.02.2012 Der Ton zwischen Griechenland und Deutschland verschärft sich. So warf der griechische Entwicklungsminister Michalis Chrysochoidis dem FDP-Chef am Mittwoch vor, die Griechenland-Krise zu eigenen Wahlkampfzwecken zu missbrauchen. Rösler nehme sich “Griechenland vor, um den deutschen Bürgern zu gefallen. Das ist inakzeptabel, sein Verhalten macht mich wirklich traurig”, sagte Chrysochoidis. Spiegel.de
19.02.2012 – Schäuble bezweifelt in einem Interview mit dem Tagesspiegel, dass sich Griechenland überhaupt helfen lassen will. Seit geraumer Zeit hätte man Griechenland angeboten, mit Finanzbeamten beim Aufbau einer effizienteren Steuerverwaltung zu helfen. Das Angebot werde bis heute nicht genutzt, behauptet Schäuble. Seit langem mahne er außerdem die EU-Kommission, ihre Hilfen unkonventioneller zu gestalten, damit Griechenland davon profitieren könne. Schäuble geht darüber hinaus mit den Eliten Griechenlands hart ins Gericht und erklärt, dass sie Schuld seien an den harten Sparprogrammen, die das Volk nun zu ertragen habe. “Die (diese Eliten) entwickeln deutlich weniger Engagement als die Finanzminister der Eurozone, ihrem Vaterland wieder auf die Beine zu helfen.” Komischer Versuch von Herrn Schäuble, Finanzminister, die wiederum dafür bezahlt werden, Geld einzutreiben mit normalen Bürgern zu vergleichen, die nicht dafür bezahlt werden, Steuern zu zahlen. Dass, das Engagement nicht dasselbe ist, liegt wahrscheinlich in der Natur der Sache oder wie war das mit den Steuer-CDs aus der Schweiz?
15.02.2012 EU-Parlament kritisiert Troika: Cohn-Bendit nennt Troika “neoliberale Taliban”. Anstatt Ausgaben im Verteidigungsetat zu akzeptieren, würden nur Renten gekürzt. Griechenland werde durch die Troika “in gewisser Weise erpresst”, sagte Hannes Swoboda, der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten. Das Land brauche “keinen Oberlehrer mit dem Rohrstock”. Spiegel.de
18.02.2012 Wenige Tage später äußerte sich dazu Griechenlands Staatspräsident Karolos Papoulias: “Ich kann nicht hinnehmen, dass Herr Schäuble mein Land beleidigt. Wer ist Herr Schäuble, dass er Griechenland kränkt? Wer sind die Niederländer? Wer sind die Finnen?”, sagte er während eines Mittagessens mit dem Verteidigungsminister und hochrangigen Offizieren.
14.02.2012 “Wir können helfen, aber wir kommen nicht in ein Fass ohne Boden schütten”, sagte Wolfgang Schäuble in einem Interview bei SWR2. Schäuble findet es problematisch, dass die Parteien in Griechenland Neuwahlen für April anberaumt haben. swr.de
01.02.2012 IWF gesteht Fehler ein: Anstatt immer wieder neue Steuern zu erheben, hätte man von vornherein Strukturreformen voran treiben sollen. Es sei skandalös, dass wegen der hohen Mindestlöhne rund 40 Prozent der jungen Menschen in Griechenland arbeitslos sind, sagte Poul Thomson der griechischen Zeitung Kathimerini. Spiegel.de