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Texte aus Februar 2010

Wie sieht das Kino der Zukunft aus?

Feb 23

Das  Architekturbüro Coop Himmelb(l)au ist bekannt für sein modernes, futurisches Design. Gebäude von Coop Himmelb(l)au erinnern an Kunstobjekte oder sogar an Raumschiffe und Objekte aus dem All. Das in Wien ansässige Designerteam hat gerade ein Multiplexkino für das Pusan International Film Festival im südkoreanischen Busan entworfen und arbeitet an den Plänen für Disney´s Tomorrowland in Shanghai. In dieser Art von Erlebniskino sollen sich Wände und Sitze bewegen. Man wird sogar riechen können.

Über das Kino und die Architektur der Zukunft sprach ich mit dem Architekten Professor Wolf Prix, Mitbegründer von Coop Himmelb(l)au.

Das Interview lief am 15.02.2010 in der Sendung Corso beim Deutschlandfunk

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Aktuelle Projekte von Coop Himmelb(l)au:

Abgespaced! Das Kino der Zukunft! Busan Cinema Center (2005 -2012)
Foto by www.ISOCHROM.com

Nicht nur irgendein langweiliges Autohaus: die BMW Welt in München
2007 fertig gestellt. Foto by Markus Buck

Ein Raumschiff mitten in der Landschaft: Das Strongoli Art Museum (noch in Planung). Foto by www.ISOCHROM.com

Mehr dazu: http://www.coop-himmelblau.at/

Berlinale Keynotes 2010: “Das Kino der Zukunft”

Feb 23

Seit 2007 finden begleitend zum Filmfestival die Berlinale Keynotes statt. Sie sollen Vordenkern der Film- und Medienwirtschaft ein Forum bieten, auf dem sie Zukunftsfragen der Filmindustrie diskutieren. Themen der vergangenen Jahre waren u. a. die Zukunft der Filmwirtschaft im digitalen Zeitalter und die kreativen und strategischen Allianzen zwischen Film, Games und Web 2.0. Diesmal, zum 60. Jubiläum der Berlinale, ging es ausnahmsweise nicht (nur) um den Film, sondern um den Ort, an dem der Film gezeigt wird, das Kino der Zukunft und seine Architektur.

Über dieses Thema berichtete ich u.a. für das Radioeins-Medienmagazin (rbb) am 20.02.2010

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In Zeiten, in denen kleine Filmtheater am Aussterben sind und vor allem in ländlichen Gebieten durch große Multiplexkinos ersetzt werden, die zwar mit High-Tech auftrumpfen,  dafür aber ihren Charakter, ihre Gemütlichkeit, ihre einzigeartige Architektur einbüßen, stellt sich die Frage, ob auch eine Art Fastfoddisierung der Kinos eingesetzt hat. Weiterlesen unter: http://www.dimbb.de/index.php?option=com_content&view=section&layout=blog&id=6&Itemid=82

“How much does your building weigh, Mr. Foster?”

Feb 14

Beim Berlinale Special lief auch ein Dokumentarfilm über den britischen Starachitekten Norman Foster mit dem Titel: “How much does your building weigh Mr. Foster?” Der Film war wirklich beeindruckend, nicht nur weil er den Aufstieg eines der weltweit führenden Architekten nachzeichnet und was ihn dazu inspiriert hat, spektakuläre Gebäude wie den Hearst Tower in New York, den Gherkin in London oder den Reichstag in Berlin neu zu entwerfen.  Besonders an diesem Film war auch die Kameraführung, die die Gebäude auf der großen Leinwand voll zur Geltung kommen ließ. Luftaufnahmen zeigten die Gebäude aus noch nie gesehenen Perspektiven. Wann der Film in die europäischen Kinos kommt steht noch nicht fest. Eine Biografie Fosters erscheint aber Anfang Mai. Geschrieben hat sie Dejan Sujic, Direktor des Design Museum in London, ein enger Vertrauter von Foster, der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat.  Interviews konnte ich sowohl mit Norman Foster, Dejan Sujic und den beiden Filmregisseuren Norberto Lopez Amado und Carlos Carcas führen.

Norman Foster, Norberto Lopez Amado und Carlos Carcas

Medienboard-Empfang anlässlich der Berlinale

Feb 13

Es ist vielleicht nicht das große Defilee der internationalen Filmstars, beim jährlichen Berlinale-Empfang des Medienboards Berlin-Brandenburg treffen sich aber immer die wichtigen Leute hinter den Filmkulissen. Und so kamen auch dieses Jahr rund 1500 Entscheidungsträger aus Film, Politik und Medien. Als Filmförderland Nummer 2 in Europa (nach Frankreich), das jährlich 300 Millionenen Euro in nationale und internationale Kinofilme investiert, ist Deutschland als Filmstandort auch international begehrt. So kamen auch viele ausländische Produzenten zum Berlinale-Empfang des Medienboards. … weiterlesen unter:  http://www.dimbb.de/index.php?option=com_content&view=article&id=73:medienboard-empfang-anlaesslich-der-berlinale&catid=39:veranstaltungskritik&Itemid=82

Transmediale: Ideologies und Futures of the Internet

Feb 08

Im Zeichen der Zukunft stand die diesjährige Transmediale mit dem Motto Futurity now – Haben wir unsere Vorstellung von Zukunft bereits eingeholt? Sicher gehört es zum Prinzip der Transmediale als interdisziplinäres Forum für Wissenschaftler, Künstler, Blogger, Philosophen die konkrete Ebene auf Panels und Diskussionsrunden zu verlassen und auf einer abgehobenen, abstrakteren Ebene zu diskutieren. Manchmal wünscht man sich jedoch einen thematischen Faden, um die einzelnen Gedankenperlen dort auffädeln und gedanklich zusammenbringen zu können. So erging es mir zumindest beim Panel „Ideologien und Zukünfte des Internet.“ Veranstaltungskritik weiterlesen auf: http://www.dimbb.de/index.php?option=com_content&view=section&layout=blog&id=6&Itemid=82

Was kosten die Nachrichten? Wie sich Journalismus in Zukunft finanzieren wird

Feb 04

Wegbrechende Auflagen und Anzeigenerlöse machen Zeitungen und Zeitschriften schwer zu schaffen. Wie in den USA und Großbritannien kämpfen auch in Deutschland viele Zeitungen und Zeitschriften ums Überleben. Weltweit sanken die Werbeausgaben im ersten Halbjahr 2009 um 6,8 Prozent. Am härtesten traf es die Zeitschriften mit Verlusten von 18,5 Prozent, aber auch Zeitungen 7,5 Prozent ihrer Einnahmen einbüßen. Auch wenn für 2010 ein leichter Aufschwung erwartet wird: Die Krise ist nicht überwunden. Sie lässt sich auch nicht ohne weiteres überwinden, denn die Verlage stehen einem grundsätzlichen Problem gegenüber: Sie haben für Qualitätsjournalismus auf lange Sicht kein Finanzierungsmodell mehr. Der Beitrag wurde am 02.01.2010 in einer Spezialausgabe von “töne, texte, bilder” auf WDR5 gesendet. Redaktion: Jörg Marksteiner, Autorin: Eleni Klotsikas

Zum Nachhören:

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Sende-Manuskript:
O-Ton: Matthias Breitinger, netzeitung.de
“Wie der Name sagt: automatisiert. Da ist kein Redakteur mehr da, der noch mal drüber geht, das möglicherweise korrigieren würde, sondern das kommt eben so raus wie es rein kommt und da ist keine redaktionelle Kontrolle mehr.”

Die automatisierte Nachrichtenwebseite: per Algorithmus werden Agenturmeldungen online in Nachrichten umgewandelt. Die neue Form des Journalismus? Anfang November wurde die komplette Redaktion der im Jahr 2000 gegründeten Netzeitung entlassen. Was die genuine Internetzeitung nach neun Jahren ihres Bestehens nicht geschafft hat will auch Printzeitungen nicht gelingen: Ein Geschäftsmodell für das Internet zu entwickeln. Ein Dilemma, in das sich Verlage jedoch selbst hineinkatapultiert haben, sagt Zeitungslegende Mario Garcia, der weltweit Zeitungen berät:

O-Ton: Mario Garcia, Zeitungsberater
“Sie dachten das Internet wäre so etwas wie ein Spielzeug. Und worauf es ankäme wäre Print. Daher liegen sie mit der Finanzierung Ihres Onlinegeschäfts um Jahre zurück.”

Vor 15 Jahren begannen fast alle Zeitungen damit, ihre Artikel einfach kostenlos ins Netz zu stellen. Diesen Fehler müssen Verlage heute teuer bezahlen weiß Prof. Stephan Russ-Mohl von der Universität Lugano:

O-Ton: Professor Stephan Russ-Mohl, European Journalism Observatory, Universität Lugano
“Die Leserinnen und Leser wandern scharenweise ins Internet ab, weil es dort alles umsonst gibt, was man gedruckt noch kaufen kann und dieses Geschäftsmodell kann natürlich auf die Dauer nicht funktionieren, wenn sie ein und dasselbe Produkt auf dem einen Kanal gratis vertreiben und auf dem anderen noch verkaufen wollen.”

Gerade die junge Generation unter 30 gibt in der Regel kein Geld mehr für Zeitungen aus und informiert sich kostenlos im Netz. Das traditionelle Geschäftsmodell, durch das sich Zeitungen aus einem Drittel durch den Verkauf und aus zwei Dritteln durch Werbeinnahmen finanziert haben, ist ins Wanken geraten. Beide Quellen trocknen immer mehr aus. Noch schmerzlicher sind für Verlage jedoch die Einnahmeverluste im Anzeigengeschäft. Denn genauso wie die jungen Leser sind auch viele Anzeigenkunden ins Internet abgewandert. Zum Leidwesen der Verlage jedoch nicht zu den Onlineseiten ihrer Zeitungen und Zeitschriften:

O-Ton: Professor Stephan Russ-Mohl, European Journalism Observatory, Universität Lugano
“Insbesondere die Zeitungen hatten in der Regel ein regionales oder lokales Monopol und das heißt, wenn Aldi inserieren wollte, dann musste es dort inserieren. Das war die einzige Chance und entsprechend teuer waren diese Anzeigen. Im Internet gibt es tausend andere Möglichkeiten zu inserieren als bei einer Tageszeitung und darüber hinaus kommt noch dazu, dass es in vielen Fällen auch interessantere gibt.”

Videoportale oder Social Community-Seiten im Internet wie Facebook und Studi-VZ bieten den werbetreibenden Unternehmen genauerer Profile ihrer Nutzer als die Webseiten von Magazinen oder Tageszeitungen. Auch Suchmaschinen wie Google sind aus Sicht der Werbeindustrie oft attraktiver als Onlinezeitungen, denn dort können Zielgruppen fast ohne Streuverluste erreicht werden:

“Suchmaschinen haben dabei einen enormen Vorteil. Dort geben Sie beispielsweise das Wort „Cabriolets“ ein und dann kommen eben alle Websites, die sich aktuell mit Cabriolets beschäftigen. Die Autoindustrie hat dann die Möglichkeit, gezielt bei dem Interessenten zu werben, der gerade dieses Stichwort eingegeben hat.”

Im Jahr 2008 verdiente Google weltweit 14,4 Milliarden US-Dollar durch Anzeigen. Knapp die Hälfte des Onlinewerbegeschäfts macht Google ganz allein. In Deutschland verdient die Suchmaschine mit Onlinewerbung 10 Mal soviel wie alle Verlage zusammen. Frust macht sich breit bei Verlegern weltweit. Auch in Deutschland regt sich Widerstand. Verlage pochen auf ein Leistungsschutzrecht und wollen Google zur Kasse bitten. Christoph Keese vom Axel Springer Verlag:

O-Ton: Christoph Keese, Axel Springer Verlag
“Fair Share bedeutet, dass wir einen fairen Anteil bekommen möchten. Wir haben das Recht an den Kurzzusammenfassungen, nicht an dem Link, der soll frei bleiben. Das ist ein konstitutives Element des Internets, aber darunter steht eben die Kurzzusammenfassung und diese ist eben eine anspruchsvolle Leistung. Verlage haben die wirtschaftliche Organisation betrieben, um die Erstellung dieser Kurzzusammenfassung zu ermöglichen und wir geben uns nicht damit zufrieden, dass da auf Dauer kein Geld für bezahlt wird.”

Google weist diese Forderung entschieden zurück, Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland:

O-Ton: Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google
„Google ist für die Situation der Verlage selber nicht verantwortlich, deswegen sehen wir das natürlich auch kritisch mit der Forderung nach einem so genannten Leistungsschutzrecht. Ich denke, es ist wichtig einfach zu verstehen, dass Google jeden Monat Milliarden Clicks den Verlagsangeboten zuschickt oder anders ausgedrückt 100.000 pro Minute, die wir über Google News oder beispielsweise über die Websuche oder andere Dienste auf Verlagsseiten schaufeln und jeder dieser Clicks ist eine Möglichkeit für Verlage zum Beispiel Anzeigen zu zeigen und wir glauben, dass wir der Medienindustrie damit auch einen guten Dienst leisten.“

Ein prekäres Verhältnis: Google ist für Verlage Bedrohung und Partner zugleich. Anders sieht das der US-amerikanische Medienmogul Rupert Murdoch. Er würde am liebsten ein Verlags-Kartell gegen die Suchmaschine schmieden und fordert Verleger dazu auf, Google schlichtweg zu verbieten ihre Seiten in den Treffern der Suchmaschine aufzulisten. Murdoch will sein Vorhaben auch allein durchsetzen und verhandelt mit Microsoft darüber, Websseiten wie die der “Sun” oder des “Wall Street Journals” nur noch bei Microsofts neuer Suchmaschine Bing gegen Bezahlung aufzulisten. Soweit wollen deutsche Verleger nicht gehen.

O-Ton: Christoph Keese, Axel Springer Verlag
“Wir sind in einem sehr konstruktiven Gespräch mit Google.“

Dort zeigt man sich ohnehin von Murdochs Drohgebärden unbeeindruckt:

O-Ton: Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google
„Wir zwingen ja niemanden bei Google gefunden zu werden, d.h wenn ein Verlag sagt, ich bin nicht damit einverstanden, dass Google meine Inhalte indexiert und über die Suche sichtbar macht genügt ein Zeichen an uns. Es gibt ja die RobotTXT-Datei, mit der man explizit Suchmaschinen ausschließen kann. Kein Verlag der Welt ist dazu gezwungen bei Google oder Google News angezeigt zu werden.“

Auch wenn die Offensive gegenüber Google bisher in eine Sackgasse zu verlaufen scheint, Verlage sind sich einig: Qualitätsjournalismus braucht ein neues Geschäftsmodell. So denken sie seit einigen Monaten laut darüber nach wie sie mit ihren Inhalten im Netz Geld verdienen können und experimentieren mit ersten Versuchen. “Paid Content” heißt ihr Schlachtruf, mit dem sie gegen die Gratiskultur im Netz anzukämpfen versuchen. Christoph Keese, Springer-Verlag:

O-Ton: Christoph Keese, Axel Springer Verlag
„Wir glauben daran, dass es einen Marktplatz für bezahlungswürdigen Journalismus im Internet gibt. Ein solcher Marktplatz muss erst entstehen, er ist noch nicht ausentwickelt. Wir glauben daran, dass es natürlich journalistische Beiträge Fotos, Videos, Kommentare Nachrichten gibt, die auf ein Publikumsinteresse stoßen. Es gibt überhaupt gar keinen Grund, warum es für die Musik möglich sein soll auf Plattformen wie ITunes beispielsweise und für Journalismus nicht möglich sein soll.“

Freemium heißt das Modell. Chris Anderson, Internet-Vordenker und Chefredakteur des US-Magazins Wired schuf das Kunstwort aus frei und premium.

O-Ton: Chris Anderson (auf Youtube)
“Bei Freemium bieten sie 80% oder 90% ihrer Inhalte kostenfrei an und verlangen nur für einen kleinen Teil Geld. Den werden die Nutzer, dann auch bezahlen, denn sie haben sich an ihr Medium gewöhnt.“

Mit diesem Modell arbeitet bereits die Wirtschaftszeitung Financial Times und nimmt jährlich 20 Millionen Euro von mehr als 10.000 Online-Abonnenten ein, die Zugang zu einem gesonderten Premium-Bereich haben. Seit Jahren erfolgreich fährt diese Strategie auch die US-amerikanische Wirtschaftszeitung „Wallstreet Journal“. Die New York Times dagegen beendete 2007 nach nur kurzer Testphase ihr Bezahlangebot , da nur zwei Prozent ihrer Online-Leser bereit waren für Informationen im Netz zu zahlen.

Das Freemium-Modell hat das Handelsblatt übernommen, jedoch zunächst sehr zaghaft und noch lange nicht in dem Ausmaß wie das Wallstreetjounal, wo inzischen fast 50% der Artikel kostenpflichtig sind. Seit ein paar Wochen sind bei Handelblatt Online Archivzugang, Datenbanken und brachenspezifische Analysen nur gegen Bezahlung zugänglich. Bernd Ziesemer, Chefredakteur Handelsblatt, vermutet, dass sich das Freemium-Modell bei seinen Lesern nur sehr langsam durchsetzten wird:

O-Ton: Bernd Ziesemer, Chefredakteur Handelsblatt
„Sicher kann man da überhaupt nicht sein. Ich glaube aber, weil wir eine ganz andere spitzere Zielgruppe haben, die im Prinzip bereit ist für hochwertigere Informationen zu zahlen. Wir träumen ja nicht davon, wie vielleicht andere Verlage, dass wir jetzt unser allgemeines Newsangebot kostenpflichtig machen, sondern wir reden über hoch spezialisierte Inhalte, die wir tatsächlich nur gegen Bezahlung ausgeben.“

Christoph Keese vom Springer Verlag glaubt, dass auch Parlamentsberichterstattung einen besonderen Mehrwert haben könnte, allerdings auch nur wenn sie wiederum die ökonomischen Interessen der Leser berührt:

O-Ton: Keese, Axel Springer Verlag
“Nehmen wir jetzt bestimmte Branchen wie Einzelhandel, Hotellerie oder Gastronomie, die sich für einen bestimmten Beschluss oder eine bestimmte Diskussion im Detail interessiert. Warum soll es ausgeschlossen sein, dass ein Spezialangebot aus Parlamenten geliefert wird, wo eine bestimmte Debatte im Detail zusammengefasst wird und Leuten mit einem Spezialinteresse angeboten wird, das im Detail nachzulesen, was für diese Menschen eine hohe wirtschaftliche Bedeutung haben kann, genau nachzulesen, wer was gesagt hat.“

Den Start in die Bezahl-Ära macht Springer mit seinem täglichen Newsletter Welt Lage, der ab Dezember kostenpflichtig ist. 2,90 Euro sollen Nutzer pro Monat für eine Auswertung nationaler und Internationaler Medien mit Linksammlung zahlen. Zuvor war bereits das Wams-E-mag für 1,50 Euro gestartet, ein Digitalmagazin der Welt am Sonntag, in der exklusive Texte, sowie Videos, Animationen und Sounds eingebunden sind. Das E-mag soll bisher nur einmal im Monat erscheinen. Zunächst will man bei Springer mit diesen Spezialdiensten experimentieren, bevor man weitere Schritte in Erwägung zieht.

O-Ton: Christoph Keese Axel Springer Verlag
“Im Augenblick ist unsere Einschätzung, dass der Verkauf einzelner Dienste, die in sich aus unterschiedlichen Artikeln bestehen, sprich dem Verkauf von Abomodellen, erfolgreicher ist als der Verkauf von einzelnen Artikeln und nachdem wir da Erfahrung gesammelt haben prüfen wir ob auch der Verkauf einzelner Artikel Erfolgs versprechend sein kann.”

Deutschlands drittgrößter Zeitungsverlag Neven DuMont-Schauberg, dem u.a. der Kölner Stadtanzeiger, die Frankfurter Rundschau und die Berliner Zeitung gehören, will künftig auch für einzelne exklusive Artikel im Netz Geld verlangen. So soll der Vorspann kostenlos sein, für den ganzen Artikel sollen dann 30 Cent anfallen, die dann beispielsweise über die Telefonrechnung abgebucht werden können, so zumindest die Ankündigung von Verlagserben Konstantin Neven DuMont. Dass dieses Bezahlmodell aufgeht bezweifelt allerdings Alexander Becker, Experte für Web-Business beim Meedia-Magazin:

O-Ton: Alexander Becker, Meedia-Magazin
„Ich glaube das wird sich schwer durchsetzen lassen. Das erinnert mich stark an Pläne, die es 2000 oder 2001 mal gab, ähnliche Abrechnungssysteme über die Telefonrechnung durchzusetzen und das ist damals schon gescheitert. Es fehlt aktuell noch ein wirklich funktionierendes Mikropaymentsystem.“

Das bisher wegen seiner Einfachheit weit verbreitete Bezahlsystem Paypall von Ebay scheint Verlagen für ihre Zwecke noch zu kompliziert. Ein-Click-Systeme seien die Zukunft für Paid Content im Internet, meint Christoph Keese:

O-Ton: Christoph Keese Axel Springer Verlag
„Wir wissen aus anderen Märkten beispielsweise Buchhändlern, wie Amazon oder ITunes für Musik, dass das Publikum mit einem einzigen Click auswählen und bezahlen möchte. Alles was komplizierter ist als ein Click trifft auf große Akzeptanzschwierigkeiten.“

Verlage wie Springer wünschen sich, dass die Abrechnung einzelner Artikel zusätzlich auch durch Suchmaschinen abgewickelt wird, denn

O-Ton: Christoph Keese Axel Springer Verlag
„Dieser eine Click ist bei der Suchmaschine schon geleistet worden, wenn die jetzt zu uns kommen und wir würden dann noch mal eine Zahlfunktion davor schalten, dann wäre das ja der zweite Click. Selbst wenn die Zahlung, was heute ja vielfach nicht der Fall ist, mit einem einzigen Click erledigt werden könnte, wäre es der zweite Click! Das wäre aber mehr als Oneclick und EinClicksysteme sind im Internet sehr, sehr wichtig.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass es in diesem Fall zu einer Kooperation zwischen Google und den Verlagen kommt ist groß. Konkreter will sich dazu bisher niemand äußern. Nur soviel:

O-Ton:  Stefan Keuchel, Pressesprecher Google Deutschland
„Wir suchen nach technischen Möglichkeiten, wie das funktionieren kann, aber eine Lösung haben wir noch nicht gefunden.“

Doch Bezahlsystem hin oder her: ob es Verlagen überhaupt gelingt sich mit kostenpflichtigen Inhalten gegen die Gratiskultur im Netz durchzusetzen, daran schieden sich die Geister. Rückendeckung bekommen Verlage von Zeitungsberater Mario Garcia:

O-Ton: Mario Garcia, Zeitungberater
“Niemand wird für Weltnachrichten Geld verlangen können. Aber wenn eine Regionalzeitung die einzige ist, die eine Region abdeckt und regionale Nachrichten über Kultur, Sport und Politik liefert, dann werden Leser diese von ihr beziehen müssen. Die Menschen mögen nun mal diese Art von Informationen und ich bin davon überzeugt, dass das Modell am Anfang Schwierigkeiten haben wird, aber schließlich werden Leser irgendwann dafür ganz selbstverständlich zahlen. Denn wir alle können ohne Informationen nicht leben.“

Und auch Medienprofessor Stephan Russ-Mohl will es nicht ausschließen:

O-Ton: Professor Stephan Russ-Mohl, European Journalism Observatory, Universität Lugano
“Sie müssen jedoch viel Überzeugungsarbeit leisten und auch aufklären darüber, dass es gute aufbereitete journalistische Information nicht umsonst gibt.”

Hoffnung setzen Medienhäuser derweil besonders in mobile Inhalte die sich Nutzer auf sogenannte „Smart Phones“, wie dem populären IPhone von Apple herunterladen können , denn gerade bei I-Phone-Nutzern sei bereits eine Bezahlkultur vorhanden. Mit seinen kleinen Zusatzprogrammen, auch „Apps“ genannt verdient Apple weltweit Milliarden. Einer Studie zufolge laden sich IPhone-Nutzer im Schnitt pro Monat zehn Anwendungen herunter, jede Dritte davon sind sie bereit zu bezahlen. Dies machen sich auch einige Medienhäuser wie der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung, die BZ. und die Bildzeitung zu Nutze und bieten ihre Apps kostenpflichtig an. 79 Cent kostet die App bei der BZ, 1,59 Euro bei der Süddeutschen, doch bei der Einmal-Zahlung soll es nicht bleiben:

O-Ton: Christoph Keese, Axel Spriner Verlag
„Auch heute gibt es schon Update-Funktionen. Jedes App wird upgedated wenn technische Änderungen eingetreten sind und diese Updatefunktionen können wiederum verbunden werden mit einer weiteren Zahlung. Das entwickelt Apple weiter zu einer richtigen Abo-Modellfunktion und genau diese Funktion ist das, was dem Geschäftsmodell von Verlagen natürlich entgegen kommt.“

Die Motivation, sich solche Apps zu abonnieren, sollen Nutzer durch die
Verquickung von Journalismus und Serviceangeboten erhalten:

O-Ton: Christoph Keese, Axel Springer Verlag
„Ich kann journalistische Angebote schaffen wo mir – und das macht die BZ – wo das Handy erkennt, in welchem Stadtteil befinde ich mich gerade und mir die Kulturangebote, die Kinoprogramme meines Stadtteils zeigt.“

Doch wann es mit dem Abomodell losgehen soll kann keiner genau sagen. Apple bestimmt hier den Zeitpunkt. Wieder einmal sind Verleger abhängig von einer Technik, über die sie selbst nicht verfügen. Ein Trend, mit dem sie sich auch in Zukunft arrangieren müssen. So lesen bereits 30.000 Abonnenten des Wall Street Journal lesen die Zeitung mittlerweile via Kindle. Die Druckerpresse hat langfristig ausgedient, vermutet Stephan Russ-Mohl, Medienprofessor an der Universität Lugano:

O-Ton: Professor Stephan Russ-Mohl, European Journalism Observatory, Universität Lugano
“Dass Print langfristig ein Auslaufmodell ist, davon bin ich überzeugt. Elektronische Bildschirme, elektronisches Papier, das man in seine Jackentasche stecken kann, das man falten kann, so wie Zeitungspapier, ist inzwischen fast serienreif. Und so wie heute kein Mensch mehr mit einem Schnurtelefon telefoniert, sondern wir alle unsere Handys benutzen, werden wir wahrscheinlich auch in ein paar Jahren mit neuen elektronischen Lesegeräten hantieren.”

Weiterhin an das gedruckte Wort seiner Wochenzeitung Die Zeit glaubt Chefredakteur Giovanni die Lorenzo. Zwar hat die Zeit gerade ihr Online-Angebot ausgebaut, doch für ihn gilt der Grundsatz:

O-Ton: Giovanni die Lorenzo, Chefredakteur Die Zeit
„Wenn wir es mittelfristig nicht monetarisieren können, dann stellt sich auch die Frage, ob wir es in der Großzügigkeit, wir es jetzt machen, die Inhalte alle ins Netz stellen und es heißt natürlich auch Finanzierungsquellen zu finden, die uns ein stückweit weg kriegen von der Abhängigkeit der Werbemärkte.“

Den Ausweg sieht man bei Der Zeit jedoch nicht darin, Journalismus im Internet kostenpflichtig zu machen. Man hofft auf die positive Entwicklung der Onlinewerbepreise und setzt auf Nebengeschäfte, sagt Wolfgang Blau Chefredakteur von Zeit Online.

O-Ton: Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online
„Wir müssen stärker darüber nachdenken, wie wir um unserer Redaktionen herum andere Unternehmen oder Dienstleistungen aufbauen können, die sich alle auf die Redaktion als Glaubwürdigkeitskern beziehen können. Also das ist bei Finanztiteln dann ein Marktforschungsinstitut wie beim Economist, die Economist Intelligence Unit oder bei Der Zeit schon heute ein Shop, der nur Produkte anbietet, die zu Zeit-Lesern passen oder wir betreiben ein Reiseunternehmen, dessen Schwerpunkt liegt auf nachhaltige, ökologisch freundliche Reiseangebote.“

Diesen Weg der so genannten „transaktionsorientierten Geschäftsmodelle“ bestreitet auch der Burda Verlag mit seiner Tomorrow Focus AG, in der alle Onlineauftritte des Verlages gebündelt vermarktet werden. Nur ein Drittel der Einnahmen generiert das Unternehmen mit Onlinewerbung, zwei Drittel werden durch E-Commerce und andere Dienstleistungen im Netz erwirtschaftet. Dazu gehört zum Bespiel die Dating-Seite Elite-Partner oder das Reiseportal Holiday-Check. Mit diesen Modellen wird Journalismus im Netz quersubventioniert. Denn dieser kann sich noch nicht selbst tragen und wird sich allerhöchstens zum Plus-Minus-Null-Geschäft weiterentwickeln verrät Christoph Schuh, Marketing-Vorstand der Tomorrow-Focus-AG:

O-Ton: Christoph Schuh, Tomorrow Focus AG
„Bei Focus Online ist es so, dass unser Ziel ist, dass Focus Online gerade einmal eine schwarze Null schreibt, das heißt so gerade profitabel ist und dass die Hauptaufgabe aber auch ist, neue Geschäftsmodelle anzuschieben.“

Bisher bleibt profitabler Onlinejournalismus die Ausnahme. Nur vereinzelte Publikationen haben die Gewinnzone erklommen und schwimmen dennoch nicht im Geld. Spitzenreiter Spiegel Online schreibt auf dem Papier jährlich rund 2 Millionen Euro Gewinn. Doch wie hoch der Ertrag wirklich ist, bleibt unbekannt, denn die vielen Artikel, die die fest angestellten Spiegel-Redakteure des Printmagazins beitragen, werden intern nicht verrechnet. Dennoch gehören Spiegel und Spiegel Online zu den wenigen, die die Medienkrise ohne Qualitätsverlust zu meistern scheinen. Bei anderen Verlagen geht es anders zu, weiß Alexander Becker vom Meedia-Magazin:

O-Ton: Alexander Becker, Meedia-Magazin
„Wir erleben ja jeden Monat, dass ein nach Magazin nach dem anderen geschlossen wird oder die Redaktion derart verkleinert wird, dass es sehr schwer wird noch ein anständiges Heft zu machen. Einige Regionalverlage versuchen schon sehr grenzwertige Modelle, um noch kostengünstig ihre Zeitungen zu füllen. Es werden bestimmt nicht alle überleben. Auf der anderen Seite werden die Online-Werbeeinnahmen weiter steigen, das heißt über Werbung wird man Online noch mehr Geld verdienen können. Das wird aber alles nicht reichen, um Redaktionen in der jetzigen Mannschaftsstärke finanzieren zu können und für dieses Dilemma gibt es im Moment noch keine Lösung.“

Wie sich Qualitätsjournalismus in Zukunft nun also finanzieren wird, ob durch das IPhone, durch sog. Freemium-Modelle, mit Online-Abos oder durch Abrechnen einzelner Artikel oder gar durch Nebengeschäfte, wie Reisebüros, Konferenzen, Buchreihen oder Online-Datingseiten oder vielleicht auch in vielen Fällen überhaupt nicht mehr – das können allerhöchsten Propheten beantworten, meint Giovanni di Lorenzo, oder anders ausgedrückt:

O-Ton: Giovanni die Lorenzo, Chefredakteur Die Zeit
“dass das was wir im Moment erleben und machen in weiten Teilen einem Blindflug ähnelt. Das heißt wir müssen in kürzester Zeit auf die kürzeste Distanz Entscheidungen treffen und den Kurs auch ändern und anders kriegen wir es auch ich nicht mehr hin.”

Dazu auch der Artikel auf WDR-Online: http://www.wdr.de/themen/kultur/medien/toene_texte_bilder/100102.jhtml?rubrikenstyle=medienmagazin

“Sicherheit und Datenschutz im Netz – Wer trägt welche Verantwortung?”

Feb 01

Am 09. Februar 2010 moderierte ich die Konferenz “Sicherheit und Datenschutz im Netz”, die vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Kooperation mit Bitkomm (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) veranstaltet wurde.

Mehr dazu:  http://www.konsumentdigital.de/index.php?id=540

Das Tagungsprogramm als PDF zum Herunterladen: Programm

 

Freie Journalistin

Eleni Klotsikas